Römische Villa in Mehring

Wie es immer so ist, man fährt jahrelang immer mal wieder mit dem Wohnmobil auf einen schönen Stell- oder Campingplatz und stellt eines Tages fest, daß es direkt in der Nähe eine wunderschöne Sehenswürdigkeit gibt, von der man nichts wußte. Genau so ging es mir mit der römischen Villa in Mehring.

Der prachtvolle Säulengang war der Haupteingang der Villa. Links und rechts die Wohntürme der Eigentümer, auch Eckrisalite genannt.roemische-Villa-Mehring-012-07.09.23

Unweit des Reisemobilparks Klüsserath wurde dieses Kleinod in den 80iger Jahren gefunden und liebevoll restauriert.

Bereits im 19. Jh. war bekannt, daß es hier gegenüber von Mehring römische Bauten gegeben haben muß. Zwischen 1983 und 1985 bestand dann die Möglichkeit, diese Ruinen genauer zu erforschen. 

Ein Bauernhaus vom Typus „Bollendorf“ erstand hier Mitte des 2. Jh. n. Chr. aufgrund der günstigen Verkehrsanbindung und des schönen Blickes über die Mosel. Das Kerngebäude wurde gegen Ende des 2. Jh. n. Chr. von den wohlhabenden Besitzern um die Badeanlage mit Kalt- und Warmwasserbecken, sowie Latrine erweitert. 

Links einer der Eckrisalite. Auf der rechten Seite steht die Badeanlage mit der vorgebauten Latrine.

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Im 3. und 4. Jh. n. Chr. wurde das Gebäude durch zahlreichen An- und Umbauten bis auf 34 Räume ausgebaut und gehörte zu den größeren Bauernhäusern im Trierer Umland. Bei den Ausgrabungen wurden Fragmente von Goldgläsern und silbernen Löffelchen, sowie Mosaike gefunden. Dies alles zeugt davon, daß die Besitzer einen gehobenen Lebensstandard gepflegt haben. Im südlichen Teil des Anwesens gefundene Skulpturfragmente und Mauerreste legen den Schluß nahe, daß hier wahrscheinlich auch eine Grabstätte existiert hatte.

Obwohl die Villa im Jahr 355 n. Chr. von germanischen Invasoren zerstört wurde, spricht viel dafür, daß die Germanen die Ruinen umgebaut und bis ins 5. Jh. n. Chr. weiterhin bewohnt haben, bevor die Villa dann endgültig verlassen wurde.

Ein kleiner Rundgang durch die römische Villa. Die beiden Eckrisalite und der dazwischenliegende Säulengang wurden in der 1. Bauphase um 150 n. Chr. errichtet. Sie bildeten die charakteristische Schmuckfasade der Villa

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Der Säulengang, mit den restaurierten Säulen läßt erahnen, wie prachtvoll hier Besucher empfangen wurden.roemische-Villa-Mehring-014-07.09.23

Der Blick von innerhalb des Säulenganges nach draußen und auf den westlichen Eckrisalitroemische-Villa-Mehring-024-07.09.23

Östlicher Eckrisalitroemische-Villa-Mehring-030-07.09.23

Aussenansicht Eckrisalitroemische-Villa-Mehring-013-07.09.23

Diese Wohnräume neben dem westlichen Eckristalit sind erst bei einer Erweiterung im frühen 4. Jh. n. Chr. entstanden.roemische-Villa-Mehring-042-07.09.23

Ein sich links unter der Grasnarbe anschließender weiterer Raum konnte leider nur teilweise untersucht werden. Er ruht noch auf einer nahezu vollständig erhaltenen Fußbodenheizung. Im 4. Jh. n. Chr. während der Nutzung durch die Germanen, wurden die Räume für handwerkliche Aufgaben umgebaut und genutzt.roemische-Villa-Mehring-044-07.09.23

Der Schürkanal führt in den nicht freigelegten Raum und war für den Betrieb der Fußbodenheizung vorgesehen.roemische-Villa-Mehring-018-07.09.23

Der Römer Gaius Sergius Orata entwickelte bereits im Jahr 80 v. Chr. die erste Hypokaustheizung (abgeleitet vom griechischen „hypokauston“ = von unten heizen). Solche Heizanlagen wurden später dann in vielfältiger Form besonders bei Badeanlagen und bei exklusiven Wohnräumen verwendet. In der römischen Villa von Mehring sind 3 solcher Hypokaustheizungen gefunden worden. 

Bei der Hypokaustheizung ruht der Boden des zu beheizenden Raumes auf quadratischen oder runden Pfeilern. In den dadurch entstandenen Hohlraum werden durch die Schürkanäle die erhitzte Luft eines Heizraumes eingeleitet und erwärmte so den Boden und den Raum. Durch kastenförmige, kaminartige Rauchabzüge die sogenannten tubuli, die in eine oder mehrere Wände eingebaut waren, konnte man zusätzlich noch die Wände erwärmen. Da sowohl die Hypokautspfeiler, als auch die Bodenplatten und die tubuli auch gebranntem Ton bestanden, hatte man somit auch noch einen „eingebauten“ Wärmespeicher.

Die einzelnen tubuli wurden erst in großer Höhe zusammen geführt und konnte dann über einige wenige Abzüge den Rauch nach außen entweichen lassen.

In dem Heizraum wurde das Feuer für die Fußbodenheizung geschürt und unterhalten. Links daneben der Lagerraum für das benötigte Holz.roemische-Villa-Mehring-020-07.09.23

Rechts im Bild ist einer der Schürknäle zu erkennen.roemische-Villa-Mehring-019-07.09.23

Im daneben liegenden Raum sind die Hypokautspfeiler zu sehen, die bei der Ausgrabung fast vollständig erhalten gefunden wurde.roemische-Villa-Mehring-022-07.09.23

Der über den Hypokautspfeilern liegende Wohnraum mit den Bodenplatten aus gebranntem Ton.roemische-Villa-Mehring-021-07.09.23

Das „Herz“ der Anlage war der große zentrale Arbeitsraum und Küche. In der Mitte ist die große quadratische Herdstelle zu erkennen.roemische-Villa-Mehring-027-07.09.23

Hinter der Küche lagen die Arbeits- und Wirtschaftsräume, die im Laufe der Zeit mehrfach umgebauten wurden und von außen zugänglich waren.roemische-Villa-Mehring-025-07.09.23

Der Treppenabgang neben der Küche zum Vorratskeller unter dem westlichen Eckrisalit. Er wurde im 3. Jh. n. Chr. neu angelegt, aber Mitte des 4. Jh. n. Chr. wieder aufgeben und verfüllt.roemische-Villa-Mehring-028-07.09.23

Blick über die Anlage. Rechts der östliche Eckristale, davor die Küche mit den rechts anschließenden Wirtschaftsräumen. Links dahinter die Badeanlage.roemische-Villa-Mehring-041-07.09.23

Die Badeanlage der römischen Villa war klein, aber es war alles vorhanden, was eine wohlhabende römische Familie an Luxus haben wollte. Über diesen Flur konnte man die Umgleideräume und die dahinterliegende Badeanlage erreichen.roemische-Villa-Mehring-007-07.09.23

Der Umkleideraum wurde im späten 2. Jh. n. Chr. vom Flur abgetrennt.roemische-Villa-Mehring-008-07.09.23

Links das Warmwasserbecken, in der Mitte unter dem Dach, das Kaltwasserbecken und rechts die Latrine.roemische-Villa-Mehring-011-07.09.23

Das Warmwasserbecken.roemische-Villa-Mehring-031-07.09.23

Das Kaltwasserbecken. Leider gibt es auch hier Menschen, die sich nicht schämen, hier die Wände zu beschmieren.roemische-Villa-Mehring-032-07.09.23

Die Latrine auf der linken Seite. Dahinter unter dem Fenster war ein Waschbecken angebracht.

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Die römische Villa in Mehring ist auf alle Fälle absolut sehenswert. Wie man auf den Bildern sieht, liegt dieses kleine Juwel, mitten in einem Wohngebiet und kann jederzeit kostenlos besucht und 

 

 

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