Der Große Pfahl bei Vichtach ist eine geologische Besonderheit und gehört zu den bedeutendsten Naturschönheiten Bayerns. Das insgesamt 150 km lange Quarzriff ragt bei Viechtach in weiß schimmernden Felsformationen beeindruckend in die Höhe. Der gesamte Große Pfahl reicht von Nabburg im Nordwesten bis Passau im Südosten. Bei Viechtach kann man nicht nur diese Quarzfelsen anschauen, das ehemalige Quarzschotterwerk, in dem seit 1892 der Quarz abgebaut und zu Schotter für Straßen und Schienenwege, zu Splitt für die Betonherstellung sowie zu Sand verarbeitet wurde, wurde zwar nach seiner Stilllegung 1993 in ein Naturschutzgebiet umgewandelt, am Rande des Bergwerkes kann man aber immer noch einige der Maschinen und Vorrichtungen, des Quarzabbaues bestaunen.
Wir wanderten mit den Cockern auf dem blauen Rundweg einmal um das Quarzbergwerk herum.
Das erste Stück des Weges führt durch einen ziemlich verwunschenen Wald, dessen Wege, durch den beständigen Dauerregen teilweise ziemlich aufgeweicht waren.
Nach einiger Zeit öffnet sich der Wald und wir standen am Rande des ehemaligen Quarzbergwerkes.
Es ist wirklich beeindruckend, wie sich die Natur im Laufe der paar Jahre seit der Stilllegung, das ehemalige Berkwerksgebiet wieder zurückerobert hat.
Holger und die Cocker am Rande des Naturschutzgebietes, das man natürlich nicht mehr betreten darf.
In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg war die Arbeit in dem Quarzbergwerk noch weitgehend Handarbeit. 1950 beschäftigte das Berkwerk etwa 60 Arbeiter, die mit Preßlufthämmern Bohrlöcher ins Gestein trieben. Der roh gebrochene Quarz wurde in Rollwagen verladen. Die Arbeiter verluden die Steine, bedienten die Seilbahnen und das Brechwerk und besserten die Anlagen immer wieder aus. Die meisten Beschäftigten waren Hilfsarbeiter, die nur in der Sommersaison tätig waren. In den folgenden Jahren wurden die Hilfsarbeiter dann nach und nach durch Maschinen ersetzt. Zuletzt erforderte der Betrieb des Quarzschotterwerkes weniger als 10 Mitarbeiter. 1993 wurde der Steinbruchbetrieb eingestellt.
Der Transport des abgebauten Quarzgesteins wurde mit Loren auf Schmalspurgleisen durchgeführt. Um die vollen Loren nicht schieben zu müssen, wurde die Kleinbahnstrecke so angelegt, daß die vollen Loren über eine leichte Gefällstrecke zur Verladestation rollen konnten.
Die Loren hingen dabei an einem Drahtseil und wurden von dieser Bremseinrichtung abgebremst. Gleichzeitig nutzte man durch ein ausgeklügeltes System die Energie der abwärts rollenden Loren, um leere Loren wieder bergauf zu ziehen. Der Seilbahnbetrieb wurde 1967 eingestellt, seitdem fuhren LKWs vom Steinbruch zum Brechwerk.
Die Quarze am großen Pfahl haben sich ursprünglich in bis zu 6 Kilometer Tiefe unter der damaligen Erdoberfläche gebildet. Dies geschah vor mehr als 275 Millionen Jahren. Der Zahn der Zeit hat dann durch Verwitterung und Abtragung den Pfahlquarz aus der Umgebung herausmodeliert.
Der Quarzabbau am Großen Pfahl wurde früher hauptsächlich mit einfachen Werkzeugen und Geräten betrieben. Größere Maschinen wurden damals noch nicht eingesetzt.
Diese Werkzeuge waren bei der Bearbeitung des extrem harten Quarzgesteins einem hohen Verschleiß ausgesetzt. Bis Anfang der sechziger Jahre wurden in dieser alten Schmiede die Arbeitsgeräte ständig instand gesetzt und kleiner Reparaturen ausgeführt.
Die alte Verladestation
Erreichte eine Lore die Verladestation so löste sie sich automatisch vom Seil und rollte auf einer Schiene bis vor die Ladeklappe unter der Rusche. Die beiden Hälften dieser Rutsche wurden abwechseln mit Quarzmaterial aus dem Steinbruch gefüllt. Nach öffnen der Klappe fiel dieses Gestein in die Lore.
Die gefüllte Lore wurde aus der Ladestation geschoben, bis sie sich wieder in das Zugseil einklingte und auf dem Tragseil zur Quetsche im Tal glitt. Der Betrieb der Ladestation erforderte 3 Mann. Täglich wurden 300 Loren beladen, das bedeutete in etwa einen Durchlauf der Loren im 2-Minuten-Takt.
Ab 1953 wurde die selbstfahrenden „Robuster“ anstelle der von Hand bedienten Rollwägen eingesetzt. Einige Jahre später kamen dann zum Aufladen des Gesteins Bagger hinzu.
Über Jahrhunderte wurde die Pfahlregion von den Anwohnern extensiv genutzt, aber erst der industrielle Abbau der Pfahlquarze führte seit der Jahrhundertwende zur vollständigen Zerstörung ganzer Pfahlabschnitte. Da der Abbau auch vor den markantesten Felsformationen nicht halt machte, regte sich bereits früh Widerstand gegen diese zerstörerische Nutzung des einstigen Naturdenkmals.
Heute zeugen noch eindrucksvolle Felsformationen davon, wie die, durch den Bergbau zerstörten Pfahlabschnitte ausgesehen haben mochten.
Ein Blick vom Rundweg über den ehemaligen Steinbruch.
Meine Lieben auf dem Rückweg des Rundwegs.
Kurz vor dem Campingplatz haben wir 4 noch eine kleine Rast eingelegt und uns von der Wanderung um den Großen Pfahl etwas erholt.